Graf-Stauffenberg-Realschule Bamberg

Unser Namensgeber

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Auf Vorschlag der Schulleitung und im Einvernehmen mit den schulischen Beratungs- und Mitbestimmungsorganen beschloss der Schul- und Kultursenat der Stadt Bamberg am 9. Februar 1979 der Städtischen Realschule den Namen "Graf-Stauffenberg-Realschule" zu verleihen.

Mit der Namensgebung sollte eine historische Persönlichkeit geehrt werden, die bis zum Jahr 1936  einen Teil ihres Lebens in der Stadt Bamberg verbracht hatte und die vor allem eine herausragende Rolle im  Widerstand gegen Hitler übernommen hatte. Die Menschenrechte als Grundlage unserer Demokratie fordern nicht nur Wachsamkeit und Einsatz von der älteren Generation, sondern bedürfen gerade auch des Engagements der Jugend. Dies soll den Schülern durch das Vorbild unseres Namensgebers vor Augen geführt werden.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde am 15. November 1907 in Jettingen bei Günzburg als Sohn eines königlich-württembergischen Hofbeamten geboren.Als Schüler gehörte er dem Kreis um den Dichter Stefan George an. Er interessierte sich für Geschichte und Philosophie. Seine ethischen und moralischen Grundsätze wurzelten in seinem katholischen Glauben. Stauffenberg sah im “Dienst an der Allgemeinheit die vornehmste Aufgabe”, wie er seinen Klassenkameraden bereits in der Schulzeit erklärte. Während seine beiden älteren Brüder, die Zwillinge Berthold und Alexander, sich für das Studium der Rechtswissenschaft und der Geschichte entschieden, schlug Claus die Laufbahn des Berufssoldaten ein und wurde Offizier. Bis zum Jahre 1936 diente er beim Bamberger Reiterregiment Nr. 17. In Bamberg heiratete er in der St. Jakobskirche am 26. September 1933 Nina von Lerchendfeld. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, drei Söhne und zwei Töchter. Die Jüngste wurde im Januar 1945, sechs Monate nach der Hinrichtung des Vaters geboren.

Im Oktober 1936 begann er die Generalstabsausbildung auf der Kriegsakademie in Berlin Moabit. Die Familie blieb in Bamberg.

Stauffenberg war keineswegs von Anfang an ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Der Idee der Volksgemeinschaft, die sich für ihn mit dem Gedanken an soziale Solidarität verband, konnte er durchaus etwas abgewinnen. Die  forsche, vertragsbrüchige Außenpolitik Hitlers in den dreißiger Jahren beeindruckte ihn ebenso wie ihn der “Anschluss” Österreichs begeisterte. Auch die Besetzung des Sudetengebietes würdigte er als weiteren außenpolitischen Erfolg Hitlers.

Stauffenberg nahm als Frontoffizier an den Angriffskriegen gegen Polen und Frankreich und als Offizier in der Organisationsabteilung des Generalstabes am Krieg gegen die Sowjetunion teil. Die schnellen Blitzerfolge dieser Feldzüge faszinierten ihn zunächst. Die Phase der Umorientierung begann während des Russlandfeldzuges im Jahr 1942, als er sich im Rahmen seiner Aufgaben als Generalstabsoffizier zunehmend der unlösbaren Ersatzprobleme für das deutsche Heer in Russkland bewusst wurde. Der nicht auszugleichende Mangel an Mannschaft, Panzern und Treibstoff machte es nach Stauffenbergs Meinung erforderlich den Krieg im Osten spätestens bis zum Herbst 1942 einzustellen, um den Schaden für das Deutsche Reich und Volk zu begrenzen. Mit dieser Erkenntnis verband Stauffenberg eine sich verschärfende Kritik an der hohen Generalität, die aufgrund von Selbsttäuschung und mangelnder Zivilcourage gegenüber Hitler die Lage an der Ostfront in unverantwortlicher Weise beschönigte. Stauffenberg versuchte auch in persönlichen Gesprächen mit hohen Generälen diese von der aussichtslosen militärischen Lage und den deshalb nötigen militärischen und politischen Konsequenzen zu überzeugen, jedoch ohne Erfolg. Zur 10. Panzerdivision nach Afrika abkommandiert, verlor er bei einem Tieffliegerangriff das linke Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand.

Nach monatelangem Lazarettaufenthalt trat er am 1. Oktober 1943 als Oberst die Stelle eines Chefs des Stabes im Allgemeinen Heeresamt in Berlin an, von wo aus er Kontakte zu  verschiedenen militärischen und zivilen Gruppen der Widerstandsbewegung knüpfte und sich um eine Verständigung auf gemeinsame Ziele bemühte. Er wurde schnell zur zentralen Gestalt der Umsturzbemühungen im Oberkommando des Heeres und betrieb zielstrebig und kompromisslos Umsturz- und Attentatsplanung. Bis zum 20. Juli 1944 stützte sich die Staatsstreichplanung auf etwa 170 militärische und zivile Eingeweihte. Nachdem Stauffenberg ab Juli 1944 Zutritt zu den Lagebesprechungen Hitlers hatte, erklärte er sich ohne Zögern bereit, selbst das Attentat auszuführen. Am 1. Juli 1944 brach Stauffenberg zu einem eineinhalbtägigen Kurzbesuch bei seiner Familie in Bamberg auf - der letzte bei seiner schwangeren Frau und seinen vier Kindern.

Am 20 Juli flog Stauffenberg am Morgen, begleitet von Generalmajor Stieff und Oberleutnant von Haeften, der in seiner Aktentasche zwei Sprengsätze transportierte, von Berlin nach Rastenburg. Dort mussten zunächst die Zeitzünder der Sprengsätze ausgelöst werden. Es gelang Stauffenberg und Haeften sich zu diesem Zweck unter dem Vorwand, das Hemd wechseln zu wollen, in einen unbeobachteten Raum zurückzuziehen. Sie wurden aber unerwartet von einem eintretenden Offizier gestört. Aus diesem Grund konnte die zweite Sprengladung nicht mehr geschärft werden, so dass nur die Hälfte der vorgesehenen Ladung zum Einsatz kam. Im Besprechungsraum schob Stauffenberg die Aktentasche mit der scharfen Sprengladung unter den Tisch in der Nähe Hitlers. Zwischen der Sprengladung und Hitler befand sich aber ein massiver Holzsockel, der die Wirkung begrenzte. Stauffenberg verließ unter einem Vorwand die Besprechung und beobachtete eine ungeheure Detonation, die ihn vom Erfolg des Attentats überzeugte. Noch bevor Alarm ausgelöst wurde, gelangten Stauffenberg und Haeften bis zur Außenwache Süd des Hauptquartiers. Dort weigerte sich der Wachhabende den Wagen durchzulassen. Stauffenberg stieg aus und telefonierte mit Rittmeister von Möllendorf, der den Grund des Alarms noch nicht kannte und den Befehl erteilte den Wagen passieren zu lassen. Ein Flugzeug brachte die beiden Offiziere zurück nach Berlin.

Die im Raum angerichtete Zerstörung durch den Sprengsatz war beträchtlich. Die sieben Männer, die sich rechts von dem eichenen Holzsockel befanden, lagen tot oder schwer verletzt am Boden. Alle anderen siebzehn Personen, die sich links vom Holzsockel befunden hatten, waren nur leicht verletzt, so auch Hitler.

In Berlin wurde bald durch den Reichsrundfunk das Misslingen des Attentats gemeldet, so dass die von der Umsturzzentrale in der Bendlerstraße herausgegebenen Befehle nicht befolgt wurden. Goebbels ließ vom Wachbataillon “Großdeutschland” das Gebäude in der Bendlerstraße abriegeln. Innerhalb des Gebäudes gingen einige Generalstabsoffiziere, die nicht eingeweiht waren, gegen die Verschwörer vor. Nach einem kurzen Schusswechsel wurden sie im gesamten Gebäude überwältigt. Generaloberst Friedrich Fromm verurteilte die Offiziere Mertz von Quirnheim, Olbricht, Haeften und Stauffenberg standrechtlich zum Tode. Um 00:15 Uhr fand im Hof der Bendlerstraße die Exekution statt. Stauffenberg fiel mit dem Ruf “Es lebe Deutschland”. In den folgenden Wochen und Monaten wurden mehrere hundert Menschen im Zusammenhang mit dem Anschlag hingerichtet, darunter auch Claus’ Bruder Berthold.